Motorrad Tour Bolivien zur gefährlichsten Strasse der Welt


 


Da reisen süchtig macht, nutze ich den einbrechenden Winter, um mit freundlicher Unterstützung von Hein-Gericke - Feel the ride, Motorrad - Europas grösste Motorradzeitschrift und Touratech - Neue Ideen fürs Motorrad so wie Mitas, dem Produzent der extrem langlebigen Reifen meiner letzten Motorradtour, eine weitere spannende Rundreise zu unternehmen.
 

Von La Rioja fuhr ich 400km über San Fernando de Valle de Catamarca nach San Miguel de Tucoman. Dann fuhr ich auf Empfehlung von Andreas Vater eine schön kurvige Strecke 150 km über einen 3000m hohen Pass vorbei an Tafi de Valle nach Santa Maria.
 
Motorradtour Südamerika - Bolivien und Peru

Hier oben, hoch über der Baumgrenze, war es recht kühl und ich stiess ich auf eine ganz eigene Pflanzenart. Riesige Kakteen ragten in den Himmel und vermittelten einem das Gefühl, eine Ameise zu sein.
 
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Entgegen anderslautenden Warnungen hatte ich nie ein Problem damit, entlang der Hauptstrasse alle 150 km Benzin zu bekommen. Besonders die teuren Sorten waren immer verfügbar. Auch einen Platz zum Zelten fand ich heute wieder recht schnell bei lustigen Studenten im Garten.
 
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Gegen Abend hielt ich an einer grossen Menschenansammlung und war plötzlich mitten in einem Rhodeo Wettkampf. Es ging darum, möglichst lange auf einem bockenden Pferd ohne Sattel zu reiten, ohne abgeworfen zu werden.
 
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Am nächsten Morgen brach ich Zeitig auf und folgte der Rute 68 nach Salta. Die Empfehlung von Andreas Vater, diese schön kurvige Strecke statt der Autobahn zu fahren, war klasse.
 
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Hier war es nicht so heiss und es machte richtig Spass, der kleinen Honda ordentlich die Sporen zu geben. Auch landschaftlich hatte die Gegend hier einiges zu bieten.
 
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Das nagelneue Asphaltband folgte dem mäandernden Lauf eines Flusses durch Schluchten und Canyons und vorbei an kleinen Dörfchen. An den videoüberwachten Polizeikontrollen fragte man nur wo ich herkomme und lies mich meine Motorradtour fort setzen.
 
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LKW Verkehr gab es hier relativ wenig. Dafür um so mehr Touristen.
Gelegentlich überquerten einige Tiere die Strasse. Sie schienen immer so lange zu warten bis ein Fahrzeug kommt, um einem dann direkt vors Vorderrad zu laufen. Langsam hörte die trockene Puna de Atacama Steppe auf und es wurde wieder grüner.
 
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Die ebenfalls herrlich kurvigen, schmalen Strasse von Salta in Richtung San Salvador de Jujuy schlängelte sich ein Stück durch üppigen Regenwald GPS S24°30'34.0" W065°20'26.4". Überall hörte man Vogelgezwitscher und das zirpen von Grillen.
 
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Ich war fasziniert von der grösse der verschlungenen Bäume und ihren vielen Verzweigungen. Die Äste dieser Bäume waren wiederum dicht von Farnen und anderen Pflanzen bewachsen.
 
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Lange Lilianen versuchten den Boden zu erreichen. Ihnen reckten sich dichtes, grünes Buschwerk entgegen. Es fehlten lediglich die Affen, die sich von Ast zu Ast schwingen.
 
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Immer wieder legte ich Pausen ein, um die Lunge der Erde und das kraftvolle Wachstum der Natur zu bewundern und Fotos zu machen.
 
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Trotz aller Schönheit muss man den Regenwald jedoch mit dem nötigen Respekt betrachten. Gerade im tropischen Klima kommen neben Schlangen auch Krankheiten wie Colera und Malaria vor.
 
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Gegen Abend machte ich mich frühzeitig auf die Suche nach einem Schlafplatz und erhielt vom Jachtklub an einem kleinen See bei GPS 24°25'52.1" W065°17'14.1" die Erlaubnis, mein Zelt auf zu schlagen und im riesigen Pool zu schwimmen. Ke Bueno.
 
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Was will man mehr? OK das Internet vermisse ich schon. Gerade wenn man alleine reist, möchte man am Abend die vielen neuen Eindrücke und Erfahrungen des Tages gerne mit den Lieben Zuhause teilen.
 
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Nun geht langsam die Sonne über dem See unter und ich werde mir statt ein Feuer zu machen entspannt eine Dokumentation über den kanadischen Motorradclub Hells Angels anschauen.
 
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Immerhin gibt es hier Strom und ich bin mit dem kopieren, bearbeiten und verlinken meiner neuen Fotos fertig. Zum Abendessen gibt es eine Tafel geschmolzene Schokolade, die ich schon seit Tagen mit mir herum fahre.
 
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Tja die Motorradtouren heutzutage sind auch nicht mehr dass, was sie einmal waren *lach* Trotzdem danke fürs rein schaun :P
 
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Es war bereits hell als ich aufwachte. Wie immer war Zähneputzen meine erste Handlung. Immerhin soll man den Tag doch mit dem beginnen mit dem man den letzten Tag beschlossen hat. Nein ich bin kein Alki ;)
 
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Anschliessend hiess es die Schlafsäcke verpacken, die Isomatte zusammen rollen, das Zelt abbauen, das 12V Batterieladegerät dass über Nacht fleissig war gegen das Navi austauschen, Öl checken, Kette fetten und abfahren.
 
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Diese tägliche Routine dauert etwa 15 Minuten. Hinter Jujuy fuhr ich den Paso de Jama in Richtung der chilenischen Grenze hinauf.
Je weiter sich die Strasse in die Höhe wand, des do mehr verlor meine kleine Maschine an Leistung. Auf 4170 Metern angekommen schafft sie gerade noch 50 km/h bei 8000 Umdrehungen.
 
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Es brachte nichts, den Gashahn voll auf zu drehen. Dadurch fängt der Motor an zu ruckeln und der Spritverbrauch steigt enorm. Da es dem kleinen Motor hier einfach an Sauerstoff mangelte, musste ich einfach langsamer fahren.
 
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Obwohl es in dieser grossen Höhe recht kalt und windig war, sah ich zahlreiche Alpacka Lamas am Strassenrand grasen. Ihnen scheinen die vor allem nachts extrem kalten Temperaturen nichts aus zu machen.
 
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Mir machte der Sauerstoffmangel hier oben jedoch zu schaffen. Mein Herz raste und bereits kleine Anstrengungen wie das Motorrad auf den Hauptständer stellen brachten mich ausser Atem.
 
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Die Anstrengung war jedoch wie weg geblasen, als ich den Salzsee auf GPS 23°35'35.9" W065°53'17.3" erblickte. An diesem ziemlich touristischen Ort verkauften Händler Figuren aus Salz. Sie trugen Sturmhauben zum Schutz vor der Sonne.
 
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Die UV Strahlung war hier oben extrem stark. Auch ich trug lange Sachen, eine Sonnenbrille und viel Sonnencreme im Gesicht. Vorsichtig fuhr ich einige Runden auf dem gleissend weissen Untergrund. Immer wieder gab es Wasserstellen. Einige Wasserstellen wurden bewusst vor dem Austrocknen bewahrt, da man an ihnen flüssiges Salz ohne grosse Anstrengungen abschöpfen konnte.
 

 
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Wieder unten im Tal wollte ich meine Spritreserven für die Fahrt zur Bolivianischen Grenze auffüllen. Leider war die Tankstelle jedoch trocken. Im nächsten Ort 50 km weiter gab es Sprit, aber auch eine endlose Schlange wartender Autos. Ich schnappte mir meine Kanister und lief direkt nach vorne.
 
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Der Tankwart hier liess sich viel Zeit bei seiner Arbeit. Zwischen den einzelnen Kunden verschwand er immer wieder minutenlang zum Geldwechseln oder so in seinem Büro. Ich nutzte diese Gelegenheit, ergriff die Pistole, füllte meine Kanister und reichte dem verdutzten Tankwart bei seiner Rückkehr das bereits abgezählte Geld. Soviel zur deutschen Effizienz.
 
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Die Strasse zur Grenze nach Bolivien ging 180 km stetig bis auf 3500 Meter hinauf. Es wehte ein kräftiger Gegenwind und ich zuckelte gemütlich mit 60 km/h dahin. Unterwegs sah ich viele Backpacker die hier üblicherweise mit Bussen reisen.
 
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Einige Kilometer weiter blockierten Demonstranten die Strasse. Als ich an der schlange wartender Autos vorbei nach vorne fuhr um mich an der Blockade vorbei zu schummeln, drückte man mir einen Teller mit Reis in die Hand. Ich verstand zwar nicht wofür hier demonstriert wurde, fand die Leute aber gleich wesentlich sympatischer.
 
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In der Grenzstadt La Quiaca fand ich in einem Hotel mit Wlan die Gelegenheit ein Lebenszeichen nach Hause zu schicken. Um meinen Blog zu aktualisieren wurde die Verbindung jedoch leider zu oft unterbrochen.
 
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Auf der Suche nach einem Schlafplatz empfahl man mir den kostenlosen Campingplatz Municipal GPS S22°06'31.2" W065°35'35.2". Da der Platz jedoch mitten in der Stadt lag, öffentlich zugänglich war und sich dort alle möglichen Leute herum trieben, hatte ich Sicherheitsbedenken und fuhr zur Polizeistation.
 
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Dort wollte man mich eigentlich nicht haben, erlaubte mir dann aber doch zu zelten, nachdem ich eine Geschichte erfunden hatte, in der mein imaginärer Freund erst kürzlich in Argentinien ausgeraubt worden ist.
 
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Am Morgen fand ich mich zeitig mit vielen Anderen an der Grenze nach Bolivien ein. Der zuständige Beamte für die Fahrzeugabwicklung hatte jedoch keine Lust zu arbeiten und trank gemütlich seinen hier üblichen Mate. Es war ihm sichtlich egal dass bereits zig Leute erstaunlich schicksalsergeben und geduldig auf ihre Stempel warteten.
 
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Als nach 4 Stunden endlich meine Stempel an ihrem Platz und meine Versicherung vom Bolivischen Zoll akzeptiert worden war, durfte ich Argentinien über eine Brücke verlassen. Auf dieser Brücke hatte sich bereits eine lange Schlange mit einigen hundert Backpacker gebildet, die in der prallen Sonne geduldig auf ihren Einreisestempel warteten.
 
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Ich hatte weniger Geduld und fuhr bis ganz nach vorne. Dort stellte ich mein Motorrad in Sichtweite des wachhabenden Grenzbeamten ab und lief schnur stracks direkt vor zum Schalter in dem ein einzelner Beamte extrem langsam einer Tätigkeit nachging die er wohl als Arbeit bezeichnen würde. Ich fragte ihn ob er englisch spreche und als sich eine in der Schlange meldete, stellte ich mich zu ihr und sparte auf diese Weise weitere Stunden Wartezeit.
 
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Jetzt noch schnell 10.000 chilenische Pesos in 100 Bolivianos gewechselt und schon konnte ich die Menschenmenge verlassen und auf einer perfekten Asphaltstrasse die nicht in der Michelinkarte verzeichnet ist in Richtung Tupiza starten.
 
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In Tupiza gab es eine videoüberwachte Tankstelle, an der ich meine Kanister für die 250 km lange Fahrt nach Potosi auffüllen wollte. Man weigerte sich jedoch und erklärte, als Ausländer müsse ich 9 statt 3,7 Bolivianos pro Liter Benin bezahlen.
 
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Da mir dass überhaupt nicht gefiel, drückte ich meine Kanister einem anderen Kunden in die Hand und bat ihn, für mich Benzin zu kaufen. Nach einigem hin und her funktionierte es und der Tankwart notierte das Kennzeichen des anderen Kunden in seiner Liste.
 
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Ich verdrückte noch schnell drei Brötchen mit Gemüse und Salat die man hier Hamburger nennt für je 2,50 Bolivianos und setzte meine Motorradtour fort. Das Gebirge der Anden hielt mich ständig auf ca. 4000 Metern Höhe. Dadurch kam meine kleine Honda heute nie wirklich auf trab, obwohl ich die Leerlauf Gemischregulierschraube komplett rein gedreht hatte, um das Gemisch ab zu magern. Diese Massnahme brachte an Steigungen auf 4000 Höhenmetern im unteren Drehzahlbereich eine Geschwindigkeitssteigerung von 15 km/h auf sagenhafte 30 km/h. Der Vorteil eines so langsamen Aufstieges ist, dass man nicht wie die Leute von TopGear an Höhenkrankheit leiden und umkehren muss.
 
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50 km vor der höchsten Stadt der Welt und UNESCO Weltkulturerbe Potosi auf 4200 Metern über dem Meeresspiegel am Fusse des Silberberges "Zero Riko" (Reichen Berges) kam ich an zahlreichen blühenden Kakteen und eben so vielen leerstehenden Lehmhäuschen vorbei. Da ich keine Lust mehr hatte weiter zu fahren und es anfing zu regnen, suchte ich mir ein Haus mit Dach und zog dort ein GPS S19°56'05.6" W065°34'23.0".
 
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Ich hatte mir das Gefühl Hausherr zu sein eigentlich irgendwie besser vorgestellt, aber irgendwie war es erstaunlich unspektakulär. Meine Bolivianischen Nachbarn bei denen ich mich der höflichkeithalber vorstellte, zeigten wenig Interesse an mir und liessen mich einfach stehen.
 
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Leider sind die Leute in Bolivien viel verschlossener und weniger Gastfreundlich als die Menschen in Argentinien. Ein durchschnittlicher Monatslohn liegt hier bei 100 Euro und die Lebenserwartung der Mienenarbeiter "Mineros", die mit 400 Euro pro Monat das 4 Fache verdienen, bei 38 Jahren (Galileo vom 30.01.2013 und Folge 2275826 27.04.2013 ). Diebe werden hier gehängt. Mangels Besuch hatte ich jedoch die ungestörte Gelegenheit, diese Zeilen zu schreiben.
 
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Am nächsten Morgen tankte ich und schlug auf den Wechselkurs von Chilenischen Pesos in Bolivianos ebenfalls 100% auf, als die Tankwärtin dieses bei meinem Spritpreis tat. Dann fuhr ich an der Silbermienenstadt Potosi, auf deren Markt man legal in Deutschland verbotene Koka Blätter zur Herstellung von Kokain und Dynamit erwerben kann, 186 km nach Uyuni. Die Strecke ist bis auf die letzten 20 km und einige Baustellen inzwischen Asphaltiert. Von Uyuni ging es weitere 25 km Schotter zum Salzsee GPS S20°17'55.2" W067°37'03.4".
 
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Als ich dort ankam zog ein Sturm auf. Dunkle Wolken wirkten bedrohlich am Horizont. Ausserdem hatte ich gehört, dass es am Salzsee nachts bis zu -20 Grad kalt werden kann. Mir verging die Lust zu Zelten. Ich brauchte ein Haus.
 
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Erstaunlicherweise entwickelt man auf Motorradtouren eine ganz eigene Art der Wahrnehmung. Mir war bereits am Ortseingang ein leerstehendes Haus aufgefallen, an dass ich mich nun wieder erinnerte. Ein Blick durch die teilweise defekten Fenster und das teilweise defekte Dach bestätigte, dass es nicht bewohnt war. Das Türschloss stellte kein Hindernis da.
 
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Als Hausherr konnte ich mir nun den Luxus leisten, als Gastgeber auf zu treten. Ich lud zwei Backpacker zu mir ein, die draussen ebenfalls auf der Suche nach einem Schlafplatz waren.
 
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Bei dem Haus musste es sich um ein ehemaliges Hotel handeln. Es war komplett aus Salzsteinen gebaut. Selbst Tische, Stühle und die Betten waren aus Salz. Ein Jammer, es verkommen zu lassen. Es gab sogar einen Kamin an dem meine Gäste gleich ein Feuer entfachten um Nudeln zu kochen. Es war lustig, den Abend gemeinsam zu verbringen. Edit: Die bolivianische Regierung hat diese Hotels geschlossen, da ihr Abwasser den Salzsee verunreinigten.
 
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Nach einer garnicht so kalten Nacht war der See am Morgen komplett mit Wasser bedeckt und zu einem grossen Spiegel geworden. Bereits mit den Schuhen sank ich ein. Ich legte auf Grund des schönen Lichtes eine Fotosession ein, klar dass mein Motorrad als Modell herhalten musste und machte mich dann wieder auf den Weg zurück nach Potosi.
 
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Wieder tat sich mein braves Maschinchen schwer, die Berge zu erklimmen. Zu allem Übel bekam ich dann noch Gegenwind, der meine Geschwindigkeit teilweise auf 30 km/h drückte. Als ich dachte es kann nicht schlimmer kommen, fing es plötzlich an zu schneien. Meine Laune erreichte einen Tiefpunkt.
 
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Das besserte sich nicht, als der Tankwart in Potosi dann auch noch die Polizei holte, da ich mich weigerte den Ausländerpreis für die gefüllten Kanister zu bezahlen. Ich hatte mein chilenisches Motorrad extra woanders geparkt und bin zur Tankstelle gelaufen. Der Polizist bestand darauf, dass ich die gezapften 6 Liter aus meinen Kanistern, die meiner Auffassung nach keine ausländischen Fahrzeuge und damit nicht von der Regelung betroffen sind, in den Abfluss giesse. Dass ich statt 8 Liter bezahlen zu dürfen 2 Liter gratis bekam, indem ich angab meine inzwischen vollen Kanister hätten je 5 statt 4 Liter Fassungsvermögen und sie seien vorher bereits halb voll gewesen, erheiterte mich nicht wirklich.
 
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Meine Laune besserte sich erst, nachdem ich einen Platz mit Internet GPS S19°35'07.8" W065°45'22.2" gefunden und am Strasenrand ordentlich gegessen hatte. Dann verliess ich den Ort in Richtung der 320 km entfernten Stadt Oruro.
 
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Am Ortsausgang fand ich erneut eine Tankstelle an der ich mein Glück versuchte. Hier weigerte sich der Tankwart, Kanister zu befüllen. Ich schnappte mir die Pistole, um es selbst zu tun. Darauf hin blockierte er mit seiner Hand die Zapfanlage. Ich setzte mich auf den Boden, die Pistole in der Hand und deutete damit an, viel Zeit zu haben. Rings um uns warteten Kunden. Endlich liess er mich gewären. In was für einem Land bin ich hier eigentlich?
 
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Wenige Kilometer weiter fand ich einen schönen Platz zum Zelten in einem Steinbruch. Etwas erschrocken war ich dann doch, als bei Einbruch der Dunkelheit laute Sprengungen zu hören waren...
 
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Es regnete die ganze Nacht und hörte auch kommenden Tag nur auf, um zwischendurch zu schneien. Ich biss die Zähne zusammen und fuhr 550 km nach La Paz, der mit 4200 Metern höchsten Hauptstadt der Welt.
 
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Dort wollte ich mich und meine Sachen in Christians Firma trocknen. Christian sprach Englisch und hatte mich während der Wartezeit an der Grenze nach Bolivien angesprochen und eingeladen einige Tage zu bleiben, wenn ich in La Paz bin.
 
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In Challapat begann die Altiplano Hochebene, so dass ich mit bis zu 80 km/h relativ zügig voran kam. Immer wieder kommen laut bellende Hunde aus irgendwelchen Ecken angeschossen und schnappen nach meinem Bein oder versuchten, sich vors Vorderrad zu werfen. Da halt nur Treten und Gas geben.
 
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Es ist erstaunlich, wie viel Kraft und Ausdauer einem die Aussicht auf ein trockenes Plätzchen mit Internet, um zu Skypen und meine Fotos zu sichern, trotz der Regenzeit in Bolivien von November bis März, geben kann.
 
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Bei Hagel, Gewitter und drängelnden LKW fuhr ich frierend und komplett durchweicht mit auf Grund der Höhe max 50 km/h den GPS Punkt in La Paz an, den ich zuvor per Mail erhalten hatte.
 
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Erst als ich mein Ziel erreicht und mein Motorrad in Sicherheit wusste, gönnte ich mir eine Pause und drei Teller leckerer Nudeln mit Sosse am Strassenrand. Später bekam ich ein eigenes Zimmer mit Bad und Internet :)
 
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Es regnet und schneit. Trotzdem mach ich mich auf den Weg, die Nördliche Yungas Straße auch "el Camino de la Muerte", Road of Death oder auf Deutsch gefährlichste Strasse der Welt genannt, zu fahren.
Hier sterben auch heute noch 200 Menschen pro Jahr wie der Busfahrer Cliff Richardo am 05.01.2012, nachdem er 50 Meter in die Tiefe gestürzt ist.
 
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Von La Paz aus musste ich mich zunächst 20 km bis auf 4800 Meter hoch arbeiten GPS S16°20'37.0" W068°02'20.8". Mit ca. 20 km/h oben angekommen war ich komplett durchnässt. Es war sau kalt und neblig.
 
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Davon liessen sich jedoch auch einige organisierte Gruppen von Mauntainbikern nicht abhalten, die von hier aus ihre Downhillfahrt mit Firmen wie Freebikesbolivia starteten.
 
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Richtung Corico kann man von hier aus entweder 89 km auf der neuen, schön kurvigen Asphaltstrasse oder ab GPS S16°17'46.2" W067°49'20.3" 32 km auf der einspurigen gefährlichsten Strasse der Welt ohne Leitplanken vorbei an tiefen Abgründen hinab bis GPS S16°13'59.6" W067°44'23.4" auf 1200 Höhenmeter durch alle Klimazonen der Yungas vorbei an vielen Koka Plantagen (deren Filmen verboten ist. Aus 100 kg Koka Blättern kann man 1 kg Kokain extrahieren siehe GEO auf Arte 05.04.2014) bis hinab in den feucht warmen Amazonas Regenwald fahren.
 
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Damit die LKW Fahrer beim Ausweichen und rangieren sehen können, wie viele Zentimeter ihnen noch bis zum Abgrund bleiben, herrscht hier Linksverkehr. Trotzdem sind damals monatlich bis zu 300 Menschen hier gestorben.
 
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Heute wird diese spektakuläre Strecke fast nur noch von Touristen befahren. Ein wirklich lohnender Ausflug.
Am nächsten Werktag nahm die Firma ihre Pruduktion wieder auf. Christian Lud mich in seine Kantine zum Essen ein.
 
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Was ich dort im VIP Bereich serviert bekam, überstieg meine meine Erwartungen bei weitem. Es war wie in einem Nobelrestaurant, nur dass die Portionen grösser waren. Einfach hammer lecker.
 
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Christian sorgte dafür, das ich auch die nächsten Tage wie ein König versorgt werde und die Zeit geniessen kann und verabschiedete sich dann, um zu einem Geschäftsmeeting zu fliegen. Vorher warfen wir jedoch noch gemeinsam einen Blick auf meine Karte.
 
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Er riet mir davon ab, über Venezuela nach Brasilien ein zu reisen und dann die Fähre von Manaus nach Belem zu nehmen. Vielmehr sollte ich nach meiner Rückkehr aus Equador über Bolivien oder Argentinien nach Paraguay und von dort aus nach Brasilien reisen. Diese Strecke sei viel abwechslungsreicher und interessanter.
 
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Bis dahin ist es jedoch noch eine ganze Weile hin. Zunächst wollte ich La Paz, die mit 4200 Metern über dem Meeresspiegel höchste Hauptstadt der Welt, besichtigen. La Paz ist extrem dich besiedelt. So dicht, dass Autos abhängig von ihrer letzten Kennzeichennummer nur an bestimmten Tagen in die Stadt fahren dürfen.
 
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Ich wanderte zum Fotografieren auf einen Hügel und dann hinab zum Markt in der Nähe vom Stadion GPS 16°30'7.60"S 68° 7'46.00"W. Hier wurden alle möglichen Dinge wie Geld oder Autos in Miniaturausführung verkauft.
 
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Ein Brauch sagt, dass man diese bei einem Magier verbrennen lassen muss, um im nächsten Jahr Geld oder ein Auto zu bekommen. Ausserdem gab es zahlreiche Schiessbuden, Tischkickertische und leckeres Essen.
 
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Am Samstag holte mich Christian ab und zeigte mir die Katedrale und den Platza Murillo mit seinen vielen Tauben GPS 16°29'43.90"S 68°08'00.95"W so wie den traditionellen Markt bei GPS 16°30'01.11"S 68°08'22.70"W, auf dem man leckeres Essen, Obst und Gemüse, Fisch, Fleisch aber auch Klamotten und Elektroartikel auf der Strasse verkauft wurden.
 
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Später stellte er mich seiner Familie und einigen Freunden vor und lud uns lecker zum Grillen ein. Der Aufenthalt in einer fremden Stadt ist so viel schöner, wenn man dort Freunde hat!
 
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Diese nahmen mich sogar gegen Mitternacht auf eine andere Party mit und stellten mich weiteren Freunden vor. So lernte ich die High Society von La Paz kennen und war erfreut, wie gastfreundlich alle waren :)
 
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Ausserdem hatte ich während meinem Aufenthalt in La Paz die Gelegenheit, günstige Ersatzteile für meine Maschine zu erwerben, obwohl in Bolivien kaum jemand Motorrad fährt. So kostet ein D.I.D. Kettensatz oder ein Reifen hier gerademal 200 Bolivianos = 30 Euro.
 
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Als ich meine Motorrad Tour fortsetzen wollte, hatte Christian ein Überraschungsgeschenk für mich. Er hatte einen Freund angerufen und organisiert, dass ich in seinem Haus am Titicaca See wohnen darf. Freudig machte ich mich auf den Weg. Die von November bis März andauernde Regenzeit ignorierte ich einfach.
 
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Ich fuhr die östliche Seite des auf 3821 Metern Höhe gelegenen, 8300 km² grossen Titicaca Sees entlang, vorbei am Yachtclub GPS S16°12'39.0" W068°41'52.5" der Reed Boot Fabrik GPS 16°12'52.8" W068°40'41.2" und setzte bei Huarina mit einer Fähre für 15 Bolivianos mit meinem Motorrad Richtung Copacabana über.
 
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Von hier aus waren es nur noch wenige Kilometer zur Fischfarm von Yerko GPS S16°12'44.9" W068°52'16.6". Man hiess mich freundlich willkommen und stellte mir ein eigenes Haus mit Blick auf den Tititcaca See zur Verfügung.
 
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Am nächsten Morgen durfte ich mit dem Boot und einigen hunder Kilo Futter mit hinaus zu den grossen Aufzuchtsbecken fahren und sehen, wie hier tausende Trucha (Troud) Fische in verschiedenen Becken aufgezogen werden, bis sie nach 9 Monaten ein Gewicht von rund 500 Gramm erreicht haben. In Chile werden in Fischfarmen bereits gentechnisch veränderte Lachse gezüchtet siehe 3Sat nano vom 20. November 2015.
 
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Zur Fütterungszeit scheint das Wasser zu kochen. Gierig schnappen die Fische nach dem Futter, dass Schaufelweise in die Netze geworfen wird.
 
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Mit Hilfe einer Maschine made in Germany können die Fische nach Grösse sortiert und in andere Becken um gepumpt werden. Aus den grössten Fischen werden dann in Handarbeit monatlich bis zu 3 Tonnen Filets und Fischstäbchen hergestellt.
 
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Die Filets ob gebraten oder geräuchert schmeckten besonders gut, da zuvor sämtliche Gräten in mühevoller Kleinarbeit von Hand entfernt worden sind. Ein toller Luxus den man sich in Deutschland nicht leisten könnte.
 
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Auch in der Umgebung ist es noch üblich, die Felder in Handarbeit zu bestellen oder aus Lehm und Wasser selber Ziegel für den Bau eines neuen Hauses her zu stellen, wenn einem das alte Haus nicht mehr gefällt.
 
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Eine umweltfreundliche Wegwerfgesellschaft. Gekauft werden muss für den Hausbau nichts. Es gibt erstaunlich viele Rouienen hier. Die aus Lehm zerfallen, ohne Rückstände zu hinterlassen.
 
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Lediglich Steinwände scheinen für die Ewigkeit gemacht und ragen dann ohne Dach in den Himmel. An so schön einsamen Stellen frage ich mich, ob ich mir den teuren Rummel um Machu Picchu wirklich antun soll.
 
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Auf meiner Fotowanderung durch die umliegenden Dörfchen waren lange nicht alle Leute so freundlich wie der Mann, der mir stolz sein Haus zeigte, dass er komplett selber mit Lehmziegeln aus eigener Herstellung gebaut hatte
 
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und sein Feld, dass er zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn fleissig in Handarbeit für den Eigenbedarf bestellte. Ich verstand zwar nur die Worte Gringo und Foto gefolgt von einem unfreundlich klingenden Wortschwall auf Spanisch, die Gesten ich solle verschwinden, waren jedoch eindeutig.
 
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Derzeit fühle ich mich krank. Der ständige Regen, die Kälte oder irgend welche Bakterien haben mir auf den Magen geschlagen. Ich bin froh in einem Haus zu wohnen, als ein heftiger Schneesturm mit Gewitter und allem was dazu gehört nieder geht.
 
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Ich nutze die Zeit, um mich über meine riesige Karte zu beugen, gespeicherte Reiseberichte zu lesen und den weiteren Verlauf meiner Tour zu planen.
 
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Dank der sehr guten Beschreibung inklusive GPS Koordinaten der Krad Vagabunden werde ich nun doch nach Machu Picchu fahren, obwohl das Wetter dort ähnlich schlecht sein soll wie hier. Wann kommt man schonmal mit einem eigenen Fahrzeug so in die Nähe...
 
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Anschliessend freu ich mich darauf, wieder hinab auf Meereshöhe zu kommen, wo es wärmer sein soll und ich mein Pizza Maschinchen, dass ab sofort auf den Namen "Chikedita" (die Kleine) hört, wieder laufen lassen kann.
 
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Heute morgen kam Christian mit einigen Freunden in seinem 600PS Motorboot vorbei und hat mich zum Grillen abgeholt. Wir sind ans gegenüberliegende Ufer gefahren und haben mal wieder richtig geschlemmt.
 
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Es tat wirklich weh ihn wegfahren zu sehen, nachdem er mich wieder zurück zur Fischfarm gebracht hatte. Christian hat mir mit seiner Gastfreundschaft meinen Aufenthalt in Bolivien sehr schön gemacht. Vielen Dank dafür!!! Weiter gehts auf der nächsten Seite.



 
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