Abenteuer Motorrad Weltreise - Ecuador & Columbien


 


Da reisen süchtig macht, nutze ich den einbrechenden Winter, um mit freundlicher Unterstützung von Hein-Gericke - Feel the ride, Motorrad - Europas grösste Motorradzeitschrift und Touratech - Neue Ideen fürs Motorrad so wie Mitas, dem Produzent der extrem langlebigen Reifen meiner letzten Motorradtour, eine weitere spannende Rundreise zu unternehmen.
 

Entgegen meinen Erwartungen war die Einreise nach Ecuador schon nach wenigen Minuten geschafft. An der Grenze gab es auf beiden Seiten neue, angenehm klimatisierte Gebäude. Es war Freitag Nachmittag und absolut nichts los. Innerhalb von Sekunden hatte ich meinen Ausreisestempel im Pass.
 
Südamerika Rundreise mit dem Motorrad - Ecuador, Kolumbien und Venezuela
Die Beamten von Peru wussten nicht, was sie mit meinem von Hand geschriebenen Einreisepapier machen sollten und winkten mich einfach durch.
 
Südamerika Rundreise mit dem Motorrad - Ecuador, Kolumbien und Venezuela
Auf der Seite von Ecuador die gleiche Ratlosigkeit. Ich bekam meinen Einreiseaufdruck in den Pass und durfte meine Motorradtour fortsetzen. Der Import meines Motorrades interessierte niemand.
 
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Wenige Meter später konnte ich mein Motorrad für 2 Dollar volltanken. Die Gallone Benzin = 3,78 Liter und kostete nur 1,45 US$ und damit deutlich weniger als 1 Liter Sprit in Deutschland. In Ecuador sind amerikanische Dollar inzwischen zur Standartwährung geworden, die überall akzeptiert wird.
 
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Ecuador ist ein sehr grünes Land. Willkommen im Dschungel. Der Regenwald war jedoch meist abgeholzt. Überall wird etwas angebaut. Ich fuhr über viele Kilometer vorbei an riesigen Bananenplantagen die so gross waren, dass sie mit Flugzeugen gedüngt wurden. Selbst ausserhalb der Städte lebten überall Menschen.
 
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Diese dichte Besiedlung machte es für mich unmöglich, einen Platz zum Zelten zu finden. Auf den Plantagen wurde ich immer wieder weg geschickt.
 
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Schliesslich fand ich eine freundliche Familie, die mir erlaubte mein Zelt vor Regen geschützt unter ihrem Carport auf zu schlagen. Die Tochter sprach Englisch und so kamen wir ins Gespräch. Man lud mich sogar zum Abendessen ein.
 
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Am nächsten Tag regnette es erneut sehr heftig. Ich fuhr an zahlreichen überschwemmten Städten vorbei. Stellenweise stand das Wasser sogar auf der Hauptstrasse bis zu 30 cm hoch.
 
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Immer wieder wurde ich von rasenden Bussen und LKW geduscht, die mich rücksichtslos überholten. Als ich mich ab Quevedo in die Berge bis auf 4000 Meter hinauf arbeitete, war ich klatsch nass und es wurde lausig kalt und nebelig.
 
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Als ich am Vulkansee Laguna Quilotoa GPS S0°51'40" W78°53'50" an kam, lichtete sich erfreulicher weise der Nebel und die Sonne kam hervor.
 
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Trotzdem war es mir hier oben zu kalt und so verzichtete ich darauf, in dem nahe gelegenen Touristenort zu übernachten. Auf dem weg hinab auf 3000 Höhenmeter kam ich an einer Schule vorbei, an der gerade ein Fussballspiel statt fand.
 
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Es wurden Pommes und flüssiger Milchreis verkauft und gab ein riesiges Hallo, als ich anhielt um ebenfalls etwas zu essen. Wieder kam man mit Händen und Füssen ins Gespräch und ich wurde eingeladen, im Haus der Gemeinde zu übernachten.
 
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Am nächsten Tag blieb die Strasse auf hohem Nivau, wurde jedoch zur Grenze hin besser und deutlich breiter. Die Umfahrung von Quito, der Hochburg der Drogenkartelle , war sogar sechsspurig und neu asphaltiert.
 
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Es machte richtig Spass, zwischen den langsamen LKW hindurch zu wedeln. Dass war die wenigen Dollar Maut bis zur Grenze auf jeden Fall wert.
 
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Den Äquator verpasste ich. Zu sehr war ich auf den Verkehr konzentriert. Dass ich mich nun wieder im geographischen Winter auf der Nordhalbkugel befand, fühlte ich an den Temperaturen auch so *lach*
 
Südamerika Rundreise mit dem Motorrad - Ecuador, Kolumbien und Venezuela
Schliesslich erreichte ich die Grenze nach Kolumbien und mogelte mich an einer Kilometer langen Schlange wartender Fahrzeuge vorbei. An den Imigration Schaltern war jedoch nichts los.
 
Südamerika Rundreise mit dem Motorrad - Ecuador, Kolumbien und Venezuela
Schon wenige Minuten später war ich aus Ecuador ausgereist. Mein Motorrad interessierte wieder niemanden. Erst auf der kolumbischen Seite wurde mein internationaler Führerschein kopiert und sogar die Rahmennummer der Maschine genaustens abgpaust. Trotzdem dauerte die ganze Prozedur nur wenige Minuten, dann war ich in Kolumbien. Mit 12.500 gefahrenen Kilometern Halbzeit meiner Motorradtour.
 
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Auf der Fahrt zur Kirche von Las Lajas GPS N0°48'22.41" W77°34'54.57" sah ich ein kleines Restaurant, dass gegrillte Meerschweinchen anbot. Das muskulöse Fleisch war zäh und schmeckte wie Schuhsole.
 
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Ich hielt an um Fotos zu machen und etwas Geld zu wechseln. Für 10 Dollar bekommt man hier 18.500 Pesos. Der Sohn der Familie war in meinem Alter, präsentierte stolz sein eigenes Auto und seinen LED Fernseher und lud mich zum Übernachten ein.
 
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Später fuhren wir gemeinsam zur Kirche, einem der Wahrzeichen Kolumbiens. Ich war froh, dort nicht alleine hingefahren zu sein. Der Ort war sehr touristisch.
 
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Überall gab es Souvenir Shops aber keine Möglichkeit, ein voll beladenes Motorrad sicher zu parken, während man in die Schlucht hinab zur imposanten Kirche von Las Lajas läuft.
 
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Rings um die Kirche findet man zahlreiche Danktafeln von Gläubigen, die sich damit für ihre erhörten Gebete bedanken. Die katholische Kirche selber war gut besucht. Es fand gerade eine Messe statt.
 
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Am nächsten Morgen brach ich zeitig auf und folgte der wohl schönsten Motorradstrecke meiner aktuellen Tour zur 450 km entfernten Stadt Cali. Die Strasse schlängelte sich durch die Berge und durch schön grüne Landschaften bis hinab auf Meereshöhe. Einfach super.
 
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Immer wieder gab es Militärkontrollen, an denen ich jedoch meist durchgewunken wurde. Als ich doch einmal angehalten und nach meinen Papieren gefragt wurde, beschwerte ich mich über die angeblich vierte Kontrolle des Tages und durfte meine Motorradtour fortsetzen.
 
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Gegen Abend erreichte die Stadt Cali, in der es Männern verboten ist, zu zweit auf einem Motorrad zu fahren. In der Vergangenheit hatten immer wieder Männer auf Motorrädern Leute bedroht und ausgeraubt.
 
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Ich fand nach einigem Suchen die Christengemeinschaft, zu der man mich eingeladen hat, als ich in Lima war. Hier konnte ich mich im schönen, luftigen Bambusbau von den anstrengenden letzten Tagen erholen, lecker kochen und als Dank meinen Diavortrag über Afirka halten.
 
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Weiter ging meine Tour nach Medellin, der Umschlagplatz der Kaffeeproduzenten. Hier durfte ich freundlicherweise in der Waldorfschule übernachten, bei der einige junge Leute aus Deutschland über die Organisation Weltwärts ein soziales Jahr machten und spanisch lernten.
 
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Ich lud mein Zeug ab und fuhr in die Innenstadt um David in seinem Hostal zu besuchen. David hat mich übers HUBB Forum angeschrieben, als ich dort nach einem Reisepartner für die Fährfahrt von Manaus nach Belem gesucht habe.
 
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Er war in Medellin gestrandet, nachdem ein Auto an der Ampel über seinen Fuss gefahren war. Eine ernst zu nehmende Gefahr im aggressiven Verkehr hier. Edit: Das Röntgen inklusive Eingipsen des Fusses kostete beim Arzt hier 150 US$. Die Krankenhäuser in Venezuela und Brasilien sind kostenlos. Wir entschieden, trotz seines Verbandes am nächsten Tag gemeinsam in Richtung Venezuela auf zu brechen. Nach all den vielen negativen Dingen die wir zuvor über dieses Land der Drogen gehört hatten, hielten wir eine gemeinsame Safari für sicherer.
Leute mit zu viel Geld organisieren von hier aus die Überfahrt mit der Stahlratte genannten Fähre nach Panama für sau teure 1000 Dollar. Für das Geld bereise ich Nordamerika lieber während einer anderen Reise. Flüge USA-Europa gibt es für 250 Euro.
 
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Die Strasse nach Cucuta war schön kurvig und führte mich vorerst das letzte mal durch die Anden. Wir gaben mächtig Gas, da David bereits wenige Wochen später in Sao Paulo sein wollte. Nachts campierten wir bei strömendem Regen wild auf einer Kuhweide am Strassenrand.
 
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Nach zwei Tagen begrüsste uns nach einer Brücke plötzlich ein Schild "Bienvenidos a venezuela". War dass schon die Grenze? Tagsächlich. Wir befanden uns illegal in Venezuela. Wir drehten um und fuhren schnell wieder zurück. Nach einigem Suchen fanden wir ein Grenzhäuschen.
 
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Dort sagte man uns, wir müssten 16 km zu einer anderen Grenze fahren, da wir hier keine Ausreisestempel bekommen könnten. Ausserdem sei nur an der anderen Grenze GPS 7°49'8.10"N 72°27'11.50"W der legale Import unserer Fahrzeuge möglich.
 
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Wir waren etwas ratlos, als uns ein freundlicher US-Amerikaner ansprach und zu sich nach Hause einlud. Er war super freundlich, hatte in Venezuela seine Frau kennengelernt und lebte seither hier.
 
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Uns zu Ehren backte sie und ihre Mutter lecker Pizza für uns, während wir unsere nassen Zelte zum Trocknen ausbreiteten. Was für ein Glück.
 
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Am nächsten Tag begleitete uns Alan zur nächsten Grenze: Hier bekamen wir recht zügig unsere Ausreisestempel für Columbien. Etwas ratlos war der Beamte, was er mit unserem Einreiseschreiben der Motorräder machen soll. Egal.
 
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Nachdem wir Alan zu einem gut verstecken Büro einige Kilometer von der Grenze entfernt gefolgt waren, bekamen wir dort unsere Einreisestempel in den Pass. Der Import der Fahrzeuge entwickelte sich jedoch zu einem echten Albtraum.
 
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Insgesamt mussten wir zu drei verschiedenen Büros fahren, die irgendwo in der Grossstadt versteckt waren. Wir verbrachten den ganzen Tag damit, Formulare aus zu füllen, Kopien unserer Dokumente zu besorgen und auf irgend welche Stempel zu warten. Man wollte ausserdem 20 Bolivar pro Nase für die Einreise.
 
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Ohne Alans Hilfe hätten wir dass nicht geschafft. Er hat in dem ganzen Chaos unsere Fahrzeuge bewacht und uns anschliessend wieder sicher durch den heftigen Verkehr zu sich nach Hause gelotst, nachdem wir noch schnell Geld gewechselt hatten.
 
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Offiziell bekommt man in Venezuela nur 4 Bolivar pro Dollar. Inoffiziell bekam man jedoch überall 9 Bolivar pro Dollar. Der Kurs auf dem Schwarzmarkt liegt inzwischen mit ca. 20-26 Bolivars je US Dollar vielfach höher, als der von der Regierung festgelegte Kurs der Banken.
 
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Es ist also nicht ratsam, in Venezuela Geld mit der Kreditkarte ab zu haben. Lieber in Columbien abheben und dann tauschen oder gleich US-Dollars in Bar dabei haben, die selbst im übernächsten Land noch getauscht werden können.
 
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Nun waren wir also illegal in Columbien, da wir ja bereits offiziell nach Venezuela eingereist waren. Dass interessierte hier jedoch niemanden. Am nächsten Tag überquerten wir die Grenze, ohne an zu halten.
 
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Zuvor hatte ich noch schnell einen Ölwechsel gemacht und einen neuen Hinterreifen aufgezogen. Neue Reifen sollen in Brasilien auf Grund von hohen Steuern um ein vielfaches teurer sein als hier.
 
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Da sich an den Tankstellen in Venezuela lange Schlangen gebildet hatten waren wir froh, bereits in Columbien günstigen Sprit am Strassenrand erworben zu haben. Benzin kostet hier umgerechnet ca 1 Cent pro Liter. Kein Witz. Dass ist auch der Grund, warum hier so viele alte, US Amerikanische Spritschlucker unterwegs sind.
 
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Hier stört sich niemand an 30 Litern Verbrauch auf 100 Kilometer. Elektrischer Strom in Venezuela ist ebenfalls sehr billig, weshalb selbst ärmlichere Häuschen eine Klimaanlage haben.
 
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Entgegen den vielen Warnungen vor Überfällen und korrupten Polizeikontrollen waren die Menschen in Venezuela uns gegenüber meist sehr freundlich. Nur einmal wollte ein Polizist bei der üblichen Passkontrolle meinem Reisepartner verbieten, mit seinem eingegipsten Fuss Motorrad zu fahren.
 
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Die nächste Nacht wurden wir eingeladen, bei einem freundlichen Couchsurfer zu übernachten. Er kümmerte sich rührend um uns und veranstaltete einen Grillabend mit viel Gras. Ich war jedoch zu müde um daran teil zu nehmen.
 
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Kurz hinter Ciudad de Bolivar ging mein Motor plötzlich bei dem Versuch aus, einen LKW zu überholen. Ich lud meine Maschine am Strassenrand ab und ging auf Fehlersuche. Ein Zündfunke war da. Benzin auch aber so leicht wie der Anlasser lief keine Kompression. Mein Reisepartner war ebenfalls nirgendwo zu sehen.
 
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Statt dessen stoppte jedoch ein freundliches Pärchen dass mit einem der hier weit verbreiteten, chinesischen Motorräder unterwegs war und half mir bei der Fehlersuche.
 
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Schliesslich tauchte mein Reisepartner doch wieder auf und schleppte mich mit einem Spanngurt von seinem Rahmen zu meiner Fussraste 12 Kilometer zurück zur letzten Stadt.
 
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Hier fanden wir einen kompetenten Mechaniker der recht schnell die gleiche Diagnose stellte wie ich: Keine Kompression. Als der Ventildeckel runter war war klar, dass eins der über Stössel statt Steuerkette angetriebenen Ventil verbogen war.
 
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Wir verhandelten über den Preis der Reparatur. Da ich nicht so viel der einheimischen Währung dabei hatte, versuchte ich verständlich zu machen dass ich nur Dollars habe. Er wollte 200, ich bot 100 US$.
 
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Sein Helfer fing bereits an, den Zylinderkopf ab zu schrauben. Dann fuhr einer der beiden weg und kam schon nach kurzer Zeit mit neuen Ventilen zurück. Innerhalb weniger Stunden schafften es die beiden, meinen Motor zu reparieren.
 
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Mit einem Finger schrieb mir der Werkstattmeister seine Rechnung in den Sand: 200 für neue Ventile und eine neue Kerze und 200 für die Arbeit. Bolivars also umgerechnet nur ca 45 Dollars. Wow.
 
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Da es inzwischen bereits dunkel geworden war, luden uns freundliche Nachbarn die neugierig die grosse Maschine meines Gringo Freundes bestaunt hatten ein, bei ihnen im Hof unser Zelt für die Nacht auf zu schlagen. Vielen Dank.
 
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Weiter ging meine Motorradtour nach Osten. Wir versuchten 400 Kilometer pro Tag zu schaffen, was auf Grund der Geschwindigkeit meiner kleinen Chigedita und dem schlechten Strassenzustand relativ schwierig war.
 
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Immer wieder gab es fiese Speedbumps oder riesige Schlaglöcher. Eins sah ich nicht rechtzeitig und stürzte fast. Der Schlag war so heftig, dass sich der Gepäckträger meiner Maschine nach unten bog. Zum Glück hielt der Rahmen.
 
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Die Landschaft war recht eintönig. Es gab riesige eingezäunte Kuhweiden auf denen man gut zelten konnte. Immer wieder kamen wir an grossen Buschfeuern vorbei.
 
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Wenig später traf es David. Seine Maschine fing an schleifende Geräusche zu machen und sein Kupplungshebel pulsierte stark. Dass klang nicht gut. Als ich dann auch noch einen platten Vorderreifen hatte, sank unsere Stimmung.
 
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Zum Glück erreichten wir wenig später die Stadt Ciudad de Guayana und fanden dort einen fähigen Mechaniker. Er nahm den Seitendeckel der Kawasaki KLR 650 meines Reisepartners ab,
 
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baute den Kupplungskorb aus und diagnostizierte schnell ein defektes Lager, dass auf dem Foto gut zu erkennen ist. Die fehlenden Rollen hatte es zermahlen. In einem Drahtfilter fanden sich zahlreiche Metallspäne.
 
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Der Mechaniker rief einen Freund an und schon wenige Minuten später erschien der Besitzer des Hostals Calle Boyacá, ebenfalls auf einer Kawasaki KLR 650.
 
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Er übersetzte für uns die Reparatur würde 150 Dollar kosten und drei Tage dauern, da hierfür der komplette Motor zerlegt werden müsse. Ausserdem würde ein neuer Dichtungssatz aus Caracas angeliefert werden müssen, was weitere 150 Dollars kosten würde.
 
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David willigte ein. Wir folgten Martin Haars zu seinem Hostal Calle Boyacá N° 26 con Calle Amor Patrio detás Gobernacion www.posada-doncarlos.com 0058 (0) 414-8546616. Martin ist deutscher und besitzt ein deutsches Bankkonto, auf dass man Geld überweisen kann.
 
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Dann muss man es nicht zu dem schlechten offiziellen Wechselkurs abheben. Ausserdem konnte ich hier einige Dollars wechseln.
Als David seinen Fuss neu verbinden lies fand er heraus, dass die Krankenversorgung in Venezuela selbst für Touristen kostenlos ist. Venezuela gefällt mir immer besser.
 
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An den meisten Tankstellen bildeten sich lange Schlangen. Als Motorradfahrer wurde ich jedoch meist vor gewunken und musste nichts bezahlen.
 
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Sieben Liter Benzin sind einfach zu günstig. Dafür gibt es kein passendes Wechselgeld.
 
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Entgegen der vielen schrecklichen Dinge die ich zuvor über Venezuela gehört hatte, wurde ich im einzigen Land der Welt dass eine halbe Stunde Zeitunterschied hat freundlich empfangen wo auch immer ich anhielt.
 
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Die Menschen zeigten mir stolz ihr Haus und ihre Gegend und boten mir leckere Früchte die ich nie zuvor gesehen hatte und leckeres Essen an.
 
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Manchmal winkte man mir im Vorbeifahren zu. In solchen Momenten drehte ich um und fuhr zurück. Ich genoss es, wieder alleine unterwegs zu sein
 
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und nicht von einem Reisepartner zur Weiterfahrt gedrängt zu werden. Ich liess mir alle Zeit der Welt und schoss jede Menge Fotos. So macht diese Motorradtour Spass :)
 
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Auf dem Weg durch die grande Sabana überholte wurde ich von einem 25 Meter LKW mit Anhänger überholt. Als plötzlich Gegenverkehr auftauchte, zog der LKW auf meine Spur und drängte mich von der Strasse.
 
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Ein Sturz war unvermeidbar, ging aber auf grund des weichen, schlammigen Untergrundes zum Glück glimpflich aus. Nur mein Bremspedal war verbogen.
 
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Ich bat den nächsten Menschen den ich an einem Auto schrauben sah, ob er mir beim zurück biegen helfen könne.
 
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Freundlich machte er sich an die Arbeit. Statt einer Rechnung reichte er mir anschliessend einen Müsliriegel und lud mich auf einen Kaffee ein.
 
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So sind die Menschen in Venezuela. Einfach unglaublich freundlich. Ich wurde weder entführt noch ausgeraubt oder erschossen sondern immer wieder freundlich empfangen.
 
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Zu den recht bekannten Angel Falls Wasserfällen konnte ich mangels einer Strasse leider nicht fahren.
 
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Unterwegs kam ich jedoch trotzdem immer wieder an tollen Wasserfällen und einsamen Gegenden vorbei, in denen man auch wunderbar zelten konnte GPS 5°24'59.71"N 61°13'12.49"W Salto Kama.
 
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Einmal schlug ich mein Zelt zu nah an einem wilden Bienenstock auf. Abends war dort alles ruhig und der Platz war schön eben.
 
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Am Morgen flogen einige Bienen jedoch einen Angriff gegen mich. Eine erwischte mich unterhalb des Auges. Der Stich schwoll so stark an, dass ich einen Tag lang nur auf einem Auge etwas sehen konnte.
 
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Auch sonst wimmelte es im Amazonas Regenwald nur so von Tieren. Es war ein gezirpe und gepfeiffe. Der Urwald war nicht zuletzt dank der Zikaden richtig laut.
 
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Ich sah viele bunte Vögel, einen kleinen Ameisenbär, riesige Geckos und eine Schlange auf dem warmen Asphalt. Sie war geschätzte 2 Meter lang.
 
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Reflexartig ging meine Hand zur Bremse, um ein Foto zu machen. Bruchteile von Sekunden später kam meine Vernunft zurück, ich verzichtete auf das Foto und ich gab Vollgas. Ein Biss dieser Viecher kann tödlich sein.
 
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Das Erlebnis des heutigen Tages bewogen mich dazu, mir bei Einbruch der Dunkelheit lieber ein leerstehendes Haus zu suchen statt direkt im hohen Gras zu zelten.
 
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Die Ausreise aus Venezuela war einfach. Direkt an der Grenze befanden sich die grossen, hellen Büros von Immigration und Douan. Freundlich und kompetente Mitarbeiter wickelten den notwendigen Papierkram innerhalb weniger Minuten ab. Die Einreise nach Brasilien war ebenfalls unkompliziert. Man wollte eine Kopie meiner Dokumente und händigte mir anschliessend eine mehrseitige Einreiseerlaubnis für mein Motorrad aus.
 
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In Brasilien spricht man portugiesisch. Ein Liter Benzin kostet 1,40 Euro. Die Behandlung in einem staatlichen Krankenhaus ist kostenlos. Rauchen in öffentlichen Gebäuden und das Befestigen einer Kiste auf Motorrädern mit Sozius Fussrasten ist nicht erlaubt. Der Transport von Gasflaschen auf einem Motorrad anscheinend jedoch schon. Jedenfalls sah ich viele Leute, die Gasflaschen auf dem Motorrad transportierten.
 
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Letzteres betraf mich als Tourist jedoch nicht. Die letzten 300 km bis Manaus fuhr ich durch dichten Tropenwald.
 
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Immer wieder hielt ich an um Fotos zu machen. Ich war von der Kraft der Natur sehr beeindruckt.
 
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Es gab nur eine einzige Polizeikontrolle. Der Beamte hiess mich willkommen. Er sprach sogar englisch.
 
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Auch hier war man freundlich zu mir und erlaubte mir Fotos zu machen, wo auch immer ich anhielt und nachfragte.
 
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Die Menschen bettelten nicht sondern waren stolz darauf, dass sich ein Gringo wie ich ihren schönen Amazonas Regenwald zu schätzen weiss.
 
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Hier mitten im Dschungel gab es schöne kleine Holzhäuschen die teilweise vor dem Schutz vor Tieren auf Pfählen standen.
 
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Indianer, die wesentlich Fotoscheuer waren, liefen trotzdem barfuss herum.
 
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Jeder von ihnen trug zumindest ein Messer am Gürtel, was mir doch etwas Respekt einflöste.
 
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Man beäugte mich ängstlich, bedrohte mich als Fremden jedoch nicht sondern lachte, als ich die Hand zum Gruss hob.
 
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Ich denke das einzige Problem dass es hier gibt sind "westliche" Einflüsse und westlicher Müll.
 
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während die Schalen von Früchten und die Reste von Lehmhütten rückstandlos verrotten,
 
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bleiben weg geworfene Plastikflaschen und Autoteile über Jahre hinweg erhalten, ohne zu zerfallen.
 
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Wahrscheinlich sollten wir eher versuchen von den Indianern zu lernen, wie man mit der Natur lebt.
 
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Wir sollten ihnen nicht beibringen, wie man sie zerstört. Dass gleiche habe ich bereits auf meiner Rundreise um Afrika festgestellt.
 
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Dort gab es so wie hier noch Menschen, die ohne fliessend Wasser und elektrischen Strom leben und glücklich sind. Weiter gehts auf der nächsten Seite.





 
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