Motorrad Rundreise 28.000 km um Südamerika zur Rallye Dakar


 
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Radiointerview in der Sendung "Mein Abenteuer" auf RPR1 mit Reiner Meutsch:

Tobias Dreissig hat mit seinem Motorrad Südamerika umrundet. Neun Monate saß der Biker im Sattel und hat dabei 28.000 Kilometer zurückgelegt. Auf seiner Route lagen u. a. Machu Picchu in Peru, die Regenwälder am Amzonas in Brasilien und der Uyuni Salzsee in Bolivien. Bei der Besteigung eines Vulkans wäre der Abenteurer fast in eine Gletscherspalte gerutscht.

Radiointerview bei Mephisto 97.6: Tobias Dreissig lebt fürs Reisen - und fürs Motorradfahren. Afrika und Südamerika hat er schon umrundet. Welche Erfahrungen er da gemacht hat, darüber spricht Tobias Dreissig heute Abend bei M19 mit unserem Moderator Alexander Hertel.


Wiedereinmal stand in England der Winter vor der Türe. Das Wetter wurde zunehmend regnerisch und in dem Zelt, in dem ich lebte, wurde es eisig kalt. Die Insel wurde ihrem Ruf mehr als gerecht. Da einen das Mieten und beheizen einer Wohnung finanziell ruiniert, war mal wieder an der Zeit, von der Natur zu lernen und den Zugvögeln gleich in ferne Länder zu ziehen.
Diesmal wollte ich mit freundlicher Unterstützung vom Zubehörladen Hein-Gericke, der Zeitschrift Motorrad, dem Reiseausrüster Touratech und Mitas, dem Produzent der extrem langlebigen Reifen meiner letzten Motorradtour, eine coole Motorradreise durch Südamerika zu unternehmen.  
Mein Reisebudget lag bei 3500.- Euro für ein Jahr inklusive Flüge + Motorradkauf.
Drücken sie die Taste F11, um den Reisebericht im Vollbildmodus zu lesen.
 
Diavortrag









  Diashow: Die Welt da draussen ist auch HD. Einladungen auf Veranstaltungen sind sehr willkommen. Ich war super aufgeregt als ich viel zu früh auf dem Flughafen in Frankfurt ankam. Immerhin hatte ich schon einen Flug gebucht (über Idealo) und wollte auf keinen Fall dass auf meinem Urlaub etwas schief läuft. Klicken Sie hier um die Route meiner Motorradtour in Googles Erde zu betrachten oder hier um die Karte der Reise in einem neuen Tab zu öffnen.
 
Suedamerikakarte
Chile und Argentinien Bolivien Peru Ecuador, Kolumbien und Venezuela Brasilien Brasilien

 

 
Trotzdem lief alles schief und wir mussten nach laaangem Warten mit dem voll besetzten Flugzeug wieder zurück zum Terminal fahren und alle wieder aussteigen, da auf Grund einer grossen Verspätung beim Einchecken das leicht vorhersehbare und daher nicht als höhere Gewalt zählende Nachtflugverbot in Frankfurt zum Tragen kam. Die grosse deutsche Airline lies uns erneut mit leeren Versprechungen (dass wir Getränke bekommen würden oder dass ein Katerinservice mit Essen schon unterwegs sei) viele Stunden hungern und ohne Stühle in einer kalten Flughafenhalle warten, bevor man uns nach Mitternacht ohne Mittag- oder Abendessen in das irgendein Hotel verfrachtete.
So kam es, dass ich dass am nächsten Tag auch mein Anschlussflug nach Santiago weg war und ich mich nach erneutem Warten für wenige Stunden in einer Hotelanlage in Panama wieder fand.
 
Motorrad Südamerika - Reise durch Chile und Argentinien
Trotz meiner riesigen Verspätung von 48 Stunden holte mich Pablo in Santiago de Chile nachts mit meinem Rucksack und der grossen wegwerf Pappkiste in seinem Auto vom Flughafen ab.
 
Motorrad Südamerika - Reise durch Chile und Argentinien
Pablo hatte ich über couchsurfing kennen gelernt. Bei ihm durfte ich wohnen, während wir zunächst gemeinsam versuchten, eine RUT Steuernummer für mich zu beantragen, wie in diversen Internetforen beschrieben. Wir bretterten kreuz und quer durch die 7 Millionen Metropole Santiago, wurden immer wieder von einem Amt zum anderen geschickt,
 

 
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bis wir gesagt bekamen, dass man ohne Visum keine RUN beantragen kann. Als Deutscher Staatsbürger benötige ich für die Einreise nach Chile jedoch kein Visum, sondern bekomme lediglich einen Stempel in meinen Reisepass. Ich wollte jedoch keine RUN sondern eine RUT. Leider verstand mich mein Gastgeber nicht. Ein grosser Fehler. So leicht gab ich jedoch nicht auf.
Seit 2014 benötigen Ausländern ausserdem einen Einheimischen, der für eventuelle Steuerschulden von Ausländern garantiert.
 
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An der Motorradmeile in Santiago GPS 33°26'53.00"S 70°38'21.00"W wurden zahlreiche chinesische Motorräder mit Namen wie Yamasaki etc. angeboten. Preislich ging es bereits bei 300.000 Pesos (1 Euro = 700 Pesos) los. Da ich mich bereits eine sehr zuverlässige Honda CGL 125 in super Zustand für nur 700 Euro oder 500.000 chilenische Pesos entschieden hatte, war der Plan B, diese auf ihn wegen seinem Wohnsitz in Chile um zu melden. Im konservativsten Land Südamerikas Chile sind Abtreibungen verboten, Scheidungen erst seit 2004 erlaubt und alle Verträge ungültig, die nicht nicht bei einem Notar geschlossen wurden. Darum mussten wir nicht nur für die Überschreibung des Fahrzeuges, sondern auch für die Ausstellung einer Vollmacht zu einem Notar fahren.
 
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In dieser Vollmacht autorisierte mich der offizielle Besitzer meiner Maschine, mit ihr ganz Latein Amerika bereisen zu dürfen.
Auf der Bank wurde ich innerhalb weniger Minuten beim Tausch von 1500 Euro in Pesos vom Tellerwäscher zum Millionär :) Ich montierte das schicke Topcase und den Tankrucksack, den mir die Firma Touratech freundlicherweise geschenkt hatte, zog die wetterfeste Jacke von Hein Gericke an, die Mitas Reifen auf und los gings.
 
Statt exotische Motorräder rund um den Globus zu verschiffen empfehle ich immer, lieber ein Motorrad zu fahren dass in den betreffenden Ländern verbreitet ist weil es jeder fährt.
Dann bekommt man überall problemlos Ersatzteile, neue Reifen und jede Werkstatt kennt sich damit aus.

Im Film "long way round" musste eine fette BMW heim transportieren lassen, weil sich vor Ort niemand mit ihrer komplizierten Elektronik auskannte,
Ausserdem kommt man leichter mit den Einheimischen in Kontakt wenn man nicht aussieht wie Geld auf Beinen. Kleider machen Leute. Wer aussieht wie ein Geldautomat, wird auch von ihnen wie einer behandelt werden.
 
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Ich begann meine grosse Motorrad Rundreise, indem ich die Hauptstadt Santiago de Chile in Richtung Patagonien verliess. In südlicher Richtung folgte ich der Panamerikaner, vorbei an einem Viemarkt nach Talca. Hier wurde ich von einer freundlichen Familie, die extra für mich den Grill startete, zum Übernachten eingeladen.
 
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Da die Autobahn mautpflichtig aber langweilig war, folgte ich am nächsten Tag einer schön kurvigen, günstigen Strasse durch Coelemu auf eine kleine Halbinsel. Ich fühlte mich auf meiner kleinen 125er Honda, die bei 100 km/h mit 9000 uMin schnurrte, pudelwohl. Teile für diese weit verbreitete Maschine sind hier notfalls einfacher und viel viel günstiger zu bekommen als für zwei BMW F800 oder eine BMW 1200 GSA.
Die Landschaft hier glich dem Schwarzwald. Als ich über die Kuppe kam, überwältigte mich der Anblick des Meeres. Nur wenige Fundamente erinnerten an die Zerstörung durch das Erdbeben und den Zunami im letzten Jahr.
 
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Auf der einen Seite lagen, geschützt in einer kleinen Bucht, zahlreiche Fischerboote vor Anker. Auf der anderen Seite krachte das auf Grund des Humboldtstroms sehr kalte Meer donnernd auf schroffe Felswände.
 
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Hier hausten zahlreiche Geier und Möwen. Auf der Suche nach einem Platz zum Zelten lernte ich Coco und Tom kennen. Tom war Professor für Astronomie an der Uni in Conception, sprach deutsch und lud mich in sein wunderschönes Haus mit Meerblick ein.
 
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Am nächsten morgen stellte mich Tom seiner Nachbarin vor. Sie hatte ein Haus mit einem spektakulären Blick direkt auf die raue See. Dort lebte auf einigen grossen Felsen eine ganze Seehundkolonie GPS S36°32'02.5" W027°58'42.5".
 
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Ich verbrachte einige Stunden damit, diese Tiere zu beobachten. Auf dem Rückweg traute ich meinen Augen nicht. Als ich zu einem kleinen Hof kam, wurde dort gerade an einem Baum ein totes Schwein zerlegt. Spontan wurde ich zum Essen eingeladen.
 
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Ich war sehr erstaunt, dass es sogar an diesem doch recht ursprünglichen Ort einen Laptop mit UMTS Modem gab. So konnten wir dank translate.google.com die sprachlichen Hürden überwinden. Trotzdem sind matriele Besitztümer auch in Chile sehr unterschiedlich verteilt.
 
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Auf dem kurvigen Weg vorbei an einer kleinen Werft von Tome zu den Salta del Laja Wasserfällen GPS 37°12'56.0" W072°23'00.0", genoss ich das warme Wetter. Am sehr touristischen Ziel angekommen, überlies ich das Motorrad mit Zelt, Isomatte und Schlafsack bepackt der Obhut eines Händlers und wanderte mit Kamera und Pass zu den beeindruckenden Wasserfällen.
 
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Es war sehr praktisch dass man den Tankrucksack, den mir die Firma Touratech freundlicherweise zur Verfügung gestellt hatte, mit Riemen versehen auch als Rucksack nutzen konnte. Ein muss ist ebenfalls eine abschliessbare Box zum Verwahren von Laptop und andere Wertsachen. Ein weiteres Danke an Touratech hierfür.
 
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Ich schoss viele Fotos und genoss das Naturschauspiel. Anschliessend nahm ich mir ein Beispiel an spielenden Kindern und sprang ebenfalls in die reissenden Fluten, um mich ein wenig ab zu kühlen :)
 
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Als mich schliesslich eine schlechte Vorahnung zurück zu meinen Sachen trieb, waren diese zum Glück alle noch da. während meiner Abwesenheit hatte der hintere Reifen jedoch seine Luft verloren.
 
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Wie aus dem nichts zauberte einer der vielen Händler plötzlich eine Luftpumpe herbei und pumpte meinen Reifen wieder auf. Anschliessend raste ich die 30 km nach Los Angeles, um an zu kommen, bevor wieder die Luft aus meinem Reifen entweichen konnte. Obwohl es hier keine unsinnige Mindestprofilgrenze von 1,6 mm gibt, warteten in Los Angeles dank freundlicher Unterstützung der Firma Mitas bereits ein neuer Reifen auf mich.
 
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Die Montage verlief problemlos und schon bald war ich wieder on the road. Kurz hinter Los Angelos erblickte ich am Strassenrand eine recht wohlhabende, bewachte Siedlung. Genau dass wonach mir jetzt der Sinn stand. Der Pförtner öffnete anstandslos das Tor, nachdem ich das Wort "Amigos" mehrfach wiederholt und dabei wahllos auf ein Haus der Siedlung gezeigt hatte.
 
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Nachdem ich ersteinmal drinnen war, erhielt ich schnell die Erlaubnis zum Zelten und wurde, nachdem ich von meiner Afrika Rundreise erzählt hatte, gleich eingeladen drei Tage zu bleiben um auch noch meinen Diavortrag halten zu können und die Behindertenschule "Sternenkinder" zu besichtigen. Hier lernte ich sechs junge Leute aus Deutschland kennen, die über die Organisation Weltwärts dort ihr soziales Jahr leisten.
Als ich am nächsten Morgen total gerädert nach einer Nacht voller Hundegebell aufwachte und mein Zelt verlassen wollte, fehlte mein linker Schuh. Ich hatte zwar mit Diebstählen gerechnet, aber wer klaut schon einen einzigen Schuh und lässt den anderen vor dem Zelt stehen?
Ein böser Verdacht stieg in mir auf und ich machte mich auf die Suche. Tatsächlich fand ich meinen Schuh nach einer halben Stunde im Hundekörbchen des Nachbarn. In solchen Momenten ist es mit meiner Tierliebe nicht weit her...
 
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Über Angol und los Sauces folgte ich später einer schön kurvigen Strasse durch grosse Waldflächen nach Temuco und von dort weiter zum See nach Villarrica. Villarrica stellte sich als sehr schöne kleine Urlaubsstadt heraus. Hier gab es vom Supermarkt bis zum Luxushotel alles. In letzterem brachte man mir sogar ein Getränk, nachdem ich freundlich nach dem WiFi Passwort zur Internetnutzung gefragt hatte.
 
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Ich schwamm eine runde im See und verließ die Stadt dann gegen Abend wieder, um mir im ländlichen Gebiet ausserhalb einen Platz zum Zelten zu suchen. Da alle Grundstücke mit Zäunen abgesperrt waren, fragte ich auf einer kleinen Farm, ob ich dort zelten dürfe. Wie das Leben so spielt, fand ausgerechnet an diesem Abend auf dieser Farm eine grosse Feier zum bestandenen Uniabschluss des Sohnes statt.
 
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Von weit her kamen immer mehr Familienangehörige mit ihren Pickups gefahren. Zu chilenischer Tanzmusik wurde ein Feuer gemacht, Fleisch gegrillt und es gab jede Menge Salate. Ich gehörte plötzlich mit zur "Familja" und bekam die meiste Aufmerksamkeit. Dass hatte nicht nur zur Folge dass mein Teller schneller nachgefüllt würde als ich ihn leeren konnte, sondern auch dass mir jede Menge Fragen auf Spanisch gestellt wurden, die ich nicht verstand oder einfach nicht beantworten wollte.
 
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So wollte einer der angetrunkenen Gäste unbedingt sehen wo und wie viel Geld ich dabei habe. Ich spielte auf Dumm, blieb freundlich, gab den Wert meiner Kamera niedriger an und hielt fleissig drauf.
Am nächsten Morgen ging meine Motorradtour weiter, vorbei an zahlreichen Lodges und Hotels zum Vulkan Villarica bei Pucon GPS S39°23'30.8" W071°57'33.4". Langsam schlängelt sich die Schotterpiste vorbei an einigen Schneefeldern bis auf 1400m den Berg hinauf.
 
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Oben befindet sich ein Skigebiet mit Liften, die aber jetzt im Sommer ausser Betrieb waren. Ich bestieg den Fuss des Vulkans, genoss die Ruhe und freute mich, dass es sogar hier oben zwei offene W-Lan Netzwerke gab und ich diese Zeilen schreiben konnte.
 
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Am nächsten Morgen erwachte ich dadurch, dass eine grosse geführte Gruppe Wanderer auf dem Weg zum Gipfel des Vulkans an meinem Zelt vorbei zog.
Spontan beschloss ich mich ihnen an zu schliessen. Schnell füllte ich meine Wasserflaschen auf, schnappte meine Kamera, liess alles andere stehen und liegen und folgte der Gruppe.
 
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Natürlich viel ich in der Gruppe dadurch auf, dass ich der Einzige war der keinen Helm, keinen Rucksack und keinen Eispickel dabei hatte. Trotzdem liess man mich die Seilbahn besteigen, die uns zum obersten Schneefeld brachte.
 
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Von hier ging es im Zickzack immer in den Fussstapfen des Vorgängers die steilen Schneefelder hinauf. Oben angekommen, war der Anblick des Kraters buchstäblich atemberaubend. Aus dem noch aktiven Krater stieg mit dumpfem Grollen ein beissender Rauch auf.
Ich war von der Kraft der Natur tief beeindruckt und auch davon, wie blau der Himmel hier oben war. Kein Wunder dass ich am Abend einen heftigen Sonnenbrand hatte.
 
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Am nächsten Tag regnete es in Strömen, so dass ich keine grosse Lust verspürte, mein trockenes Plätzchen zu verlassen und weiter zu reisen.
Da ich am Abend zuvor mein letztes Brot einem hungrigen Hund gegeben hatte und nun ohne Essen da stand, wurde ich sehr freundlich von einigen Arbeitern der Seilbahnstation zum Essen eingeladen.
 
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Wirklich erstaunlich wie freundlich die Leute hier sind. Nachts nötigte man mich sogar mein Zelt ab zu bauen und mit ins beheizte Haus zu kommen, da es draußen anfing zu stürmen. Hier konnte ich duschen und meine Klamotten waschen.
Ausserdem wollte ich die Akkus meiner Kamera aufladen. Dummerweise legte ich sie falschherum in mein 12/230 Volt Ladegerät ein, was darauf hin Rauchzeichen gab, zu schmelzen begann und meine neuen Hochleistungsakkus gleich mit ins Nirwana nahm.
Als ich am nächsten Morgen weiter reisen wollte, stellte ich ausserdem fest, dass meine Handschuhe und die Sonnencreme fehlten. Meine Laune sank auf einen Tiefpunkt. Vielleicht hätte ich meine Habe doch nicht so einfach herumliegen lassen sollen.
 
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Pablo von der Skistation war jedoch so freundlich mir ein paar gebrauchte Skihandschuhe zur Verfügung zu stellen. Im Dorf angekommen fielen mir die beiden beladenen Motorräder der Krad Vagabunden Simon und Panny auf.
 
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Ich kannte den detailreichen Bericht der beiden über ihre Reise durch Latein Amerika schon aus dem Internet, muss aber tausende von Kilometern reisen, um sie endlich einmal persönlich zu treffen.
Wir unterhielten uns übers Urlaub machen und den Vulkan und als ich beiläufig erwähnte, dass dort meine Handschuhe gestohlen worden sind, drückten mir die beiden raz faz ein neues Paar in die Hand. Vielen Dank! :)
 
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Ich folgte einer kleinen, sehr schön kurvigen asphaltierten Strasse 30 km zu den heissen Quellen Termas de Huife GPS 39°13'33.00" S 71°38'50.00" W.
 
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Hier gab es eine wunderschöne Hotelanlage mit offenem WiFi für rund 200 Dollar die Nacht, in der man das heisse Wasser der Thermen in zwei Pools geniessen konnte.
Wenige Meter die Strasse rauf gab es ausserdem zwei natürlich mit Steinen eingefasste, günstigere Pools. Auch einen Platz zum wilden Campieren fand ich schnell. Was braucht man mehr?
 
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Wieder zurück in Pucon schlug ich mein Zelt auf einem geschlossenen Zeltplatz auf, ging gemütlich baden und liess die Seele baumeln. Dass muss auch mal sein ;)
Am Abend in meinem Zelt führte ich mir den abgespeicherten Reisebericht der Krad Vagabunden zu Gemüte. So gemütlich kann Zelten sein :)
 
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Später ging es über Panguipulli weiter nach Los Lagos und Osorno nach Puerto Monte. Hier waren der 150km entfernte Vulkan Cordon Caulle (puyehue) ausgebrochen und hatte die argentinische San Carlos de Bariloche unter einer dicken Ascheschicht begraben. Durch die Aschewolken in der Atmosphäre wurde ausserdem das Sonnenlicht reflektiert. Darum und auch wegen der südlichen Lage war es hier auch im Sommer erstaunlich kalt und ich war froh, von der Firma Hein Gericke mit einer tollen, warmen Valley sheltex® Jacke 117367 Katalog S. 38 ausgerüstet worden zu sein.
 
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In Frutillar hatte ich plötzlich Hunger. Grossen Hunger und auf einmal eine grosse Lust auf Pommes. Zum Glück wusste ich dass Pommes in Südamerika Papa Fritas heissen. So musste ich sie mangels Sprachkenntnisse nicht pantomimisch beschreiben.
 
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Bei GPS S41°07'42.2" W073°03'31.7" bekam ich für nur 1000 Pesos eine riesige Tüte Pommes frites und für weitere 200 Pesos eine Flasche Cola. Wirklich erstaunlich wie sehr Essen die Laune haben kann und es einem plötzlich mit vollem Magen besser geht :)
Später kam die Sonne dann doch noch durch und ich ging ein paar Sekunden im eiskalten Wasser schwimmen.
 
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Frutillar ist ein kleines Dörfchen mit vielen kleinen, einstöckigen Häuschen und einem schönen Strand direkt am schönen Lago Llanquihue.
Zu beachten ist, dass sich in dem kleinen Anbau vorne auf dem Foto ein Supermarkt befindet ;)
 
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Wie immer durfte ich auch hier wieder zelten und in einem kleinen Restaurant das Internet benutzen. Dort freute ich mich über eine lange Mail der Krad Vagabunden :)
 
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In Puerto Varas, einer anderen kleinen Touristenstadt am Lago Llanquihe, verbrachte ich einen weiteren Tag, bevor ich der super kurvigen, asphaltierten Strasse durch üppigen, kalten Regenwald mit klischeehaftem Vogelgezwitscher hinauf zum Vulkan Osorno bei Ensenada folgte.
 
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Als ich dort um 6 Uhr Morgens an kam, war die Bergstation wie ausgestorben. Man kam sich vor wie der letzte Mensch auf Erden. Viele Türen standen offen und es war alles eingerichtet, aber kein Lebewesen war zu sehen oder zu hören. Nur der Gipfel lockte und ich wanderte los.
 
Motorrad Südamerika - Reise durch Chile und Argentinien

Es war schwierig, irgendwelche Spuren zu finden, denen ich folgen konnte. Hier schienen nur sehr selten Menschen hinauf zu wandern. Es wurde immer steiler. Gewaltige Gletscherspalten klafften. Schritt um Schritt arbeitete ich mich hinauf.
 
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Als gegen Mittag mit aller Kraft die Sonne hervor kam, befand ich mich an einer Steilwand wenige Meter unterhalb des Gipfels und konnte weder vor noch zurück. Plötzlich fing alles um mich herum an zu knacken und zu tauen. Mit einem Schlag war alle Euphorie weg und ich erkannte, dass ich wirklich Mist gebaut hatte.
 
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An Fotos machen war nicht zu denken. meine Kamera baumelte irgendwo im Schnee. Jetzt ging es ums Überleben. Meine Finger brannten vor Kälte. Ich klammerte mich ohne Handschuhe im Eis fest und versuchte, nicht ab zu rutschen.
Nicht umsonst hatte ich zuvor die Spuren von Steigeisen gesehen. Nun entdeckte ich weit unter mir drei Bergsteiger, die sich abseilten. Und ich hatte ohne jede Ausrüstung diesen Gletscher bestiegen. Sollte ich abrutschen, würde ich mit rasender Geschwindigkeit den Berg hinunter rutschen und entweder an einem Felsen zerschellen oder in einer Gletscherspalte verschwinden. Dass kann doch noch nicht gewesen sein? Ich bekam heftiges Heimweh.
 
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Tief rammte ich meinen Stock, den ich unterwegs gefunden hatte, in den Schnee um mich daran fest zu halten. In Zeitlupentempo und mit vor Anstrengung zitternden Knien, plante ich jeden weiteren Schritt genau. Der Abstieg war wesentlich schwieriger als der Aufstieg es bereits gewesen war.
 
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Ich schaffte es. Mit schmerzenden Knien und grossem Durst kam ich wieder unten an der Bergstation an.
Hier las mir der Nationalparkranger zu Recht gehörig die Leviten. Ein Besteigen des Vulkans sei ohne Führer und ohne Ausrüstung verboten, da viel zu gefährlich. Alleine in diesem Jahr sind 5 Touristen nicht mehr von ihrer Wanderung heim gekommen. Ich konnte mir denken warum und schwor, in Zukunft auf derartige Heldentaten/Dummheiten zu verzichten.
 
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Wie zur Strafe war mein Hinterreifen platt, als ich wieder zum Motorrad kam. Aufpumpen mit der Fahrradpumpe half nicht. Da ich jedoch zu kaputt war und keine Lust hatte, den Reserveschlauch vor alle Touristen, die inzwischen das Restaurant belagerten, zu tauschen, fuhr ich die 10 km zurück nach Ensenada mit plattem Reifen.
 
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Leider gab es in dieser Ortschaft jedoch keinen Mechaniker, so dass ich mich, kaputt wie ich war, doch ans Werk machen musste. Es stellte sich eine gewisse Gleichgültigkeit meinerseits ein, als ich feststellen musste, dass mein Reserveschlauch nach der mühsamen Montage ebenfalls keine Luft hielt. Wahrscheinlich hatte ich ihn irgendwie mit meinem Montiereisen gezwickt.
 
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Ich übergab meinen ganzen Krempel der Obhut eines Tankwarts und brachte das Hinterrad mit dem Bus 40km zurück nach Porto Varaz. Hier legte der Busfahrer freundlicherweise einen kleinen Schlenker hin und liess mich direkt vor einem Motorradladen raus.
 
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Bei einbrechender Dunkelheit war dann endlich alles wieder in Ordnung. Ich durfte zum zweiten Mal bei einem freundlichen, Deutschsprachigen Ehepaar (deren Väter als Besatzung von Handelsschiffen das Land der Zäune während dem zweiten Weltkrieg nicht verlassen durften und die nach 4 Jahren dort geblieben waren) im Garten campieren. Angeblich gibt es hier sehr viele Deutsche. In den vielen "Club Alemagne" spracht jedoch kaum jemand Deutsch.
Wieder ein Tag ohne Essen und zum Schwimmen bin ich auch nicht gekommen. Manana...Morgen...
 
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Dass heute war heute echt ne verrückte Geschichte. Hab mich in der grossen Stadt Valedivia etwas verloren gefühlt und an einer Ampel versucht, einen Motorradfahrer vom Club "Rockets" zu fragen, wo man denn hier am besten zelten könne. Er hat mich nicht verstanden, ein Foto von mir und meiner Maschine gemacht und ist abgedüst.
 
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Ich habe mir dann wie immer das grösste Hotel der Stadt gesucht, um dort das WLan zu nutzen. Der Sicherheitschef dieses Hotels bzw es stellte sich später als riesiges Casino mit über 400 Spielautomaten etc heraus, hat dann das Foto von mir bei seinem Freund in Facebook gesehen und mein Motorrad auf der Überwachungskammera vor dem Hotel wieder erkannt.
Darauf hin hat er mich nicht nur zum Essen eingeladen, sondern ich durfte auch bei ihm Zu hause übernachten, duschen und konnte meine Klamotten gewaschen
 
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Wieder in Pucon lud mich Yesenia in das hübsche Häuschen ihrer Familie ein. Yesenja hatte ich auf der grossen Party in meiner ersten Nacht in Villarica kennen gelernt und wir sind seither wie üblich über Facebook in Kontakt geblieben. Um sie auf dem Motorrad mitnehmen zu können und der chilenischen Helmpflicht zu genügen, wertete ich mal wieder einen Blumentopf mit Kinnriemen auf. Dass hatte schliesslich auch bei meiner Reise durch Afrika auch funktioniert.
 
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Die Familie war super freundlich und versuchte dem Gringo einige Worte Spanisch bei zu bringen. Im Gegenzug brachte ich Yesenja und ihrem Bruder Miguel, der super Gitarre spielte, einige Worte Englisch und Deutsch bei. Wir waren erstaunt zu sehen, wie ähnlich sich diese beiden Sprachen sind. Als Beispiel ist das Wort "Reis" in beiden Sprachen gleich.
 
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Selbiger wird hier zuerst ohne Wasser angebraten und erst anschliessend mit Wasser und Brühe auf einem Holzofen, den es hier in jeder Küche gibt, gekocht. Das Essen findet in Chile meist bei laufendem Fernseher statt. Ein Zeichen des Fortschritts.
 
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Noch vor dem Fruehstueck stiegen Tanten, Onkels, Cousinen und Cousins in ihr Auto, um zu ihren Verwandten zu fahren, mit denen sie das Weihnachtsfest feiern wollten. Bei ihrer Ankunft waren sie sehr erstaunt, ja fast erschrocken. Da stand doch tatsächlich ein höchst merkwürdiges Wesen im Garten. Ein riesiger Außerirdischer, ausgestattet mit jeder Menge futuristischer Technik.
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Der fremde Besucher war von weit her mit einem Fahrzeug gekommen, dass wahrscheinlich fliegen kann und gab komische Laute von sich. Was genau er zu sagen versuchte, konnte man nur erraten. Und dieser Alien war ich.
Man beäugte mich von allen Seiten und versuchte mit mir zu kommunizieren. Ich hatte wiedereinmal die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Anwesenden. Wildfremde Frauen drückten mir ein Küschen auf die Wange. Andere Länder andere Sitten ;)
 
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Weihnachten wurde ein lustiges Fest mit einem wild blinkenden Plastik Weihnachtsbaum made in China und reichlich leckerem Essen. Neben Salaten und Kartoffeln gab es ein 44cm langes, 8kg schweres Stück Lammrippen für 5 Personen. Das Wetter war super warum, so dass ich mit Yesenia zum Ausgleich im See schwimmen und mir einen Sonnenbrand holen konnte. Geschenke waren hier nicht üblich.
 
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Es tat sehr weh, als ich schliesslich Abschied nehmen musste, um für das grosse Silvesterfeuerwerk nach Val Paraiso zu fahren. Hinter San Fernando folgte ich der extrem stark befahrenen "Ruta del Fruta" nach Sankt Antonio.
 
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Zwischenstopps legte ich zum Öl wechseln (es passt genau 1 Liter rein. Statt eines Filters gibt es ein Sieb) und Sonnencreme "Blockado de Sol" kaufen wieder bei den freundlichen Leuten in Los Angeles und Talca so wie am schönen See "Punta Verde" ein. Selbiger war wie hier in Chile üblich rings herum mit vom Personal top gepflegten, eingezäunten Privatgrundstuecken umgeben. Die Eigentuemer waren meist nicht anwesend oder liessen sich verleugnen. Man musste erst freundlich bitten das Grundstück betreten zu dürfen, um überhaupt ans Wasser zu kommen.
 
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Ich war sehr erstaunt zu sehen was für schicke Wochenendhäuser, Golfplätze und starke Motorboote sich hinter den dichten Hecken verbargen. Sankt Antonio stellte sich dann als riesige, hässliche Stadt mit grossem Hafen aber ohne Hotels etc heraus.
 
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Auf freundliches Nachfragen durfte ich (auf Grund meiner Feuerwehrtour durch Afrika quasi als Kollege ;) mein Zelt in der Companie 1 der Feuerwache aufschlagen, die gerade mit allen Angehörigen ihr Weihnachtsfest feierten. Hier erfuhr ich auch, dass es in Val Paraiso eine deutsche Feuerwache gibt. Dort durfte ich zwar nicht übernachten, wurde aber von einem der dort ehrenamtlich arbeitenden Leute eingeladen, bei ihm zu wohnen. Es gab Empanadas, gefüllte Teigtaschen so wie die hier üblichen Hot Dogs mit Majo.
 
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A propo Dogs: Es kommt hier immer wieder vor, dass wilde Hunde im Vorbeifahren auf einen zugeschossen kommen entweder versuchen, einen ins Bein zu beissen oder sich vor das Vorderrad zu werfen. Verständlicherweise habe diese Selbstmord Köter das räudige Leben hier und das ständige Bellen in den Nächten einfach satt. Dadurch wird jedoch der Aufenthalt in Chile nicht gerade angenehmer.
 
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Auf dem Weg zur Villa Kunterbunt GPS S33°01'52.23" W071°38'17.80" fuhr ich eine schmale Strasse hinauf die so steil war, dass ein PKW mit Frontantrieb dort nicht anfahren konnte da seine Reifen nicht genügend Traktion hatten sondern quietschend auf dem Asphalt durchdrehten.
 
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Hier traf ich Simone und Panny so wie die beiden von dreiradententour.de. Wir fachsimpelten bis die Sonne unterging. Dann bestieg ich mit lustigen Freunden meines Feuerwehrfreundes einen Hügel, um das grosse Feuerwerk im Hafen zu besichtigten. An Silvester waren alle Menschen auf der Strasse.
 
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Man trug bunte Plastikheute, glitzernde Lametterhaare und witzige Masken. Der Alkohol floss in Strömen. Auf dem grossen Marktplatz spielte eine Band und es wurde bis früh morgens getanzt. Soviel zum life Update. Gute Nacht :)
 
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Wieder ein Tag ohne Essen. Ich hatte mal wieder einfach zu viel zu tun. Früh morgens ging es von Valparaiso nach Santiago. Dort übergab mir Pablo die Papiere, die ich für die Einreise nach Argentinien brauchte. Die Strasse schlängelte sich bis auf 3200 m zur Grenze den PASO INTERNACIONAL LOS LIBERTADORES, LOS ANDES, CHILE hinauf.
 
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Zwischendurch mussten immer wieder lange, komplett unbeleuchtete, nasse und glitschige Tunnel durchquert werden. Hoffentlich fällt die Motorradelektronik nicht aus.
 
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Auf Gund der Höhe und der Hitze verlor mein Maschinchen an Leistung, während der Spritverbrauch stieg. Die Ausreise Ausreise aus Chile war ein Handwink ohne Absteigen. Auf der argentinischen Seite drückte man mir einige Papiere in die Hand und erklärte mit Handzeichen, ich solle damit 60 km zum Zoll fahren. Nach 20 km stoppte mich ein Polizist und schickte mich zurück, da ich nicht beim Zoll gewesen bin.
 
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Wieder oben schrieb man mir nun auf dass der Zoll nach 15 km links sei. Auf mein Nachfragen hin woher ich den dringend Sprit bekommen kann füllte man mir kostenlos meinen Tank. Nach genau 15 km kam ich an ein grosses Gebäude mit leerem Parkplatz.
 
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Es schien total ausgestorben. Innen befanden sich jedoch sowohl die chilenischen als auch die argentinischen Grenzschalter zum Durchfahren.
Im Gegensatz zu vielen Warnungen erwies sich diese Grenze am ersten Neujahrstag verglichen mit einem afrikanischen Grenzübergang als total unkompliziert.
 
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Man akzeptierte meine Vollmacht, wusste was zu tun ist, die Computer funktionierten und niemand bettelte.
Es dauerte lediglich etwas länger, da ich mit einem Beamten ins Gespräch kam, der ebenfalls ein Motorrad hatte und da ich meine notariell beglaubigte Originalvollmacht mangels Kopie trotzdem nicht da lassen wollte. Schliesslich fotografierte jemand sie mit seinem Handy und ich durfte weiter fahren.
 
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Als es dunkel wurde, hörte ich ein klackerndes Geräusch von der Kette, beschloss diese morgen zu spannen und schlug mein Zelt etwas abseits der Strasse auf. Nach einer ruhigen Nacht stellte ich fest, dass sich die Bolzen vom Kettenblatt trotz Sicherungsbleche gelöst hatten. Die Muttern waren zum Glück noch da und liessen sich schnell festziehen. Besser als eine Kette die sich längt...
 
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Im Tal gab es Sprit aber die Banken waren geschlossen. Ich wechselte auf einem Campingplatz 20.000 chilenische Pesos in 160 Argentinische und folgte der Asphaltstrasse durchs Hochland Richtung San Juan. Nach 20 km ging der Asphalt in leichten Schotter über. Bis zur nächsten Kreuzung waren es laut GPS 30 km.
 
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Ab dieser Kreuzung wurde die Piste immer schmaler und anspruchsvoller. Immer wieder gab es plötzlich Weichsandfelder, Wasserrinnen oder Wellblech.
Um mein Netbook vor den Vibrationen zu schützen, trug ich es an einer selbstgenähten Tasche um den Hals. Bis zur nächsten Kreuzung waren es 100 km, aber wer dreht jetzt nach allem was hinter einem liegt noch um und fährt den riesigen Umweg über Mendoza?
 
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Ich stellte mir vor, in dieser glühend heissen Steppe erneut einen Platten zu bekommen und nie gefunden zu werden. Dass am nächsten Tag genau auf dieser Strecke die Rallye Dakar durchbrausen würde, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Zu falsch war die Karte auf der Dakar Internetseite.
 
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Es freut mich sehr, als ich auf der Hälfte der Strecke auf zwei Fahrzeuge traf. Man unterhielt sich mit Händen und Füssen und füllte meine leeren Wasservorräte auf. Weiter gings über Stock und Stein und kleine Flussläufe immer weiter hinauf und auch endlich wieder bergab.
 
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Mein braves Maschinchen hielt tapfer und ohne Defekte durch. Kurz vor Beginn des Asphaltes, 80 km vor San Juan, sah ich einige Zelte stehen. Es handelte sich um das Basislager der Gandarmerie, die hier als Streckenposten auf die morgige Ankunft der Rallye Dakar wartete.

 
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Man erlaubte mir zu bleiben und drückte mir ein Brötchen mit Grillfleisch in die Hand. Es war schön, nach dieser ungeplanten Offroadetappe wieder unter Menschen zu sein. Diese Freude währte jedoch nicht lange. Auf Grund von viel Gelächter, Hupkonzerten, Musik und mitten in der Nacht gezündeten Böllern war an Schlafen nicht zu denken. Immer mehr Rallyefans bauten ihre Zelte und Pavillons auf den umliegenden Hügeln auf.
 
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In der grössten Mittagshitze des nächsten Tages brausten die ersten Motorradfahrer der Rallye Dakar an uns vorbei. Ihnen folgten die Quads und zahlreiche Geländefahrzeuge. Den Abschluss bildeten die LKW.
 
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Im Lauf des Tages habe ich während dem Fotografieren auch hier in Argentinien wieder jede Menge freundliche Leute kennengelernt, die mich als Gringo im vorbei laufen mit Wasser und Fleisch versorgt auch zum Übernachten zu sich nach Hause einluden. Nichts erinnerte an die Staatspleite vom 1. Dezember 2001.
 
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Dass muss man sich als Deutscher mal wirklich auf der Zunge zergehen lassen. Die Leute hier sprechen einen Fremden von sich aus an und nötigen einen schon fast zu Essen. Unglaublich diese Gastfreundschaft. Hier hatte ich auch endlich wieder Internet und konnte diese Zeilen schreiben :)
 
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Es regnet. ES REGNET!!! Selten hatte ich mich so über den Regen und die damit verbundenen Abkühlung gefreut. Ich packte mein Zeug und wollte aufbrechen. Man bestand jedoch darauf, dass ich noch bis zum Mittagessen bleibe. Bis dahin nutzte ich die Gelegenheit um mit meiner lieben Maike zu skypen.
 
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Als ich wieder raus schaute staunte ich nicht schlecht als ich mein Motorrad verzurrt auf einem Pickup sah. Da Stefan den Pickup heute sowieso zur Reparatur nach San Juan bringen wollte, gab er mir kurzerhand einen Lift.
 
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Unterwegs sammelten wir Henrico aus Spanien ein, der mit seinem halb gefüllten Rucksack, einem 4US$ Zelt aus Santiago und seiner Gitarre seit 5 Monaten mit Couchsurfing durch Südamerika trampt. Da sage nochmal einer, ich würde lowcost Urlaub machen. Im Vergleich zu ihm kam ich mir mit meinem ganzen Krempel total überladen vor und würde gerne mit ihm tauschen. Henrico hatte bereits einen Couchsurfingplatz organisiert und nahm mich kurzerhand mit.
 
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Die Leute waren unglaublich gastfreundlich. Es war überhaupt kein Problem, dass da plötzlich einer mehr im Haus wohnte. Man parkte mein Motorrad wie selbstverständlich in der Küche und nahm mich sogar auf eine Geburtstagsfeier mit. Ausserdem erlaubte man mir, einige Dinge die ich bisher nicht gebraucht hatte bis zum Ende meiner Reise bei ihnen zu lagern.
 
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Die 450km Asphaltstrasse von San Juan durchs Valle de Luna nach La Rioja erstreckte sich bis zum Horizont, war heiss und langweilig. Man fühlte sich beim Fahren, als würde einem ein Föhn vors Gesicht gehalten und konnte sich nicht entscheiden, ob man das Visier schliessen oder offen lassen sollte, während einem die Sonne die Wangen trotz Schutzcreme langsam verbrannte.
 
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Als Schutz vor der starken Sonne trug ich ausserdem Handschuhe und die Valley sheltex® Jacke von Hein Gericke 117367 Katalog S. 38, die Lüftungöffnungen hatte.
 
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Wasser ist hier ein kostbares Gut und sein Fehlen der Grund, warum man immer wieder verdurstete Rinder am Wegrand sieht. Wahrscheinlich eher humorvoll gedacht ist dagegen die mit kaputten Autoteilen geschmückte Gedenkstätte des Nocolas Caputo.
 
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Nur selten konnte man am Wegrand einige Lehmhäuschen entdecken, die mich an Afrika erinnerten. Argentinien ist ein sehr zivilisiertes Land, dass ansonsten mit seinem Verkehr und den vielen einstöckigen Häusern eher den USA ähnelt.
 
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In La Rioja hatte ich über Couchsurfing bereits einen Platz zum Übernachten gefunden und freute mich bei der Ankunft auf eine kalte Dusche. Dass ich ausserdem in einem Pool schwimmen und ein eigenes Zimmer mit Klimaanlage haben werde, hatte ich jedoch nicht erwartet.
 
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Man nahm mich als Fremden sofort in die Familie auf und kümmerte sich rührend um mich. Es war alles so perfekt, dass aus der geplanten Aufenthaltsdauer von einer Nacht eine ganze Woche wurde.
 
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Andrea als erfahrene Turnierspringerin gab mir Reitunterricht und zeigte mir, wie man selber Mayonnaise (Rohes Ei und Öl schaumig schlagen) und gebrannte Mandeln herstellt (Eine Tasse Mandeln mit einer Tasse Zucker und einer halben Tasse Wasser erhitzen und fleissig rühren. Die Masse wird zunächst trocken dann schmilzt der Zucker wieder und karamellisiert).
 
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Zwischendurch spielten wir Karten oder Monopoly oder ich düste mit einem Quad durch die Gegend. Auch bot sich eine Gelegenheit, in der ich mich als Schlagzeuger versuchen konnte.
 
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Die Zeit verging wie im Flug. Ich wäre gerne noch länger geblieben, doch irgendwann war die Zeit gekommen um meine Reise fort zu setzen.
Der Abschied von meinen neuen Freunden viel sehr schwer.
 
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Man drückte mir für meine Motorradtour noch ein Lunch Paket und eine Dose Pannenspray in die Hand. Ich freu mich jedoch bereits darauf, sie auf dem Rückweg nach Santiago nocheinmal zu besuchen und eventuell eines Tages in Deutschland willkommen zu heissen. Danke für alles!!!
Auf dem Weg nach Bolivien erfuhr ich, dass die Firma Touratech in den News auf ihrer Internetseite über mich berichtet hat. Das machte mich sehr stolz :) Weiter gehts auf der nächsten Seite.
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